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ZERO 2010

Ausstellungs- und Detailansichten der Einzelausstellung im MUSA (Museum auf Abruf), Wien


Hier hat sich die Zerstörung durch den gesamten Holzkorpus gefressen. Dort hat der Baseball ein einziges Loch in die Oberfläche geschlagen. Die Frage, ob die destruktive Energie, die dem Schaden innewohnt so stark ist, dass sich die Zerstörung fortsetzt, steht im Raum. Die Angst vor dem zerbrochenen Fenster sitzt tief, George L. Kelling und James Q. Wilson haben sie in ihrer Theorie über die Broken Windows festgeschrieben: Ein kaputtes Fenster bleibt nicht lange allein; wenn einer in die Ecke pinkelt, tun es alle, so der Ansatz der Soziologen verknappt. Öffentliche Unordnung sei der perfekte Nährboden für Kriminalität. Ob diese Prophezeiung sich unbedingt erfüllt, stellt Bernhard Hosas Objekt in Frage.
Die Angst vor dem zerbrochenen Fenster beschreibt weniger die Angst vor Kriminalität, sondern die Angst vor Unkonventionellem, vor nicht berechenbaren Situationen. Auf die Idee der Unordnung als Vorstufe zur Kriminalität reagiert die Zero Tolerance Policy mit einem scheinbar einfachem Rezept: Ordnungsstörungen in der Öffentlichkeit müssen beseitigt werden und jene, die die Ordnung stören, auch. Die Trennlinie zwischen sozialen Randfiguren und tatsächlichen Verbrechern verschwimmt, Prävention gilt als Rechtfertigung für kollektiven Freiheitsentzug in kleinen Dosen. Die Angst vor der großen Wirkung des kleinen Delikts wird auch im Three Strikes Law evident, das eine Baseball-Regel auf die Gesellschaft anwendet: Nach zwei schweren Vergehen ist es bei einer dritten Tat möglich, den Schuldigen zur Höchststrafe zu verurteilen, ihn abseits der Gesellschaft im Out zu isolieren. Damit wird normkonformes Sozialverhalten zum Sport, ebenso wie die Überführung der Falschspieler.
Hosa zeichnet den schwarzen Riss nach, der sich durch die Gesellschaft zieht und Böse großzügig von Gut separiert, brennt die Unm&ooml;glichkeit der Reintegration in U-Bahn-Tickets ein. Er etikettiert Texte zur Null-Lösung und zu Gesellschaftlicher Sicherheit mit olympischen Ringen. Dabei sein ist alles - sowohl f¨r die Polizei, die auf den Druck eines absurden Verhaftungs-Solls mit übertriebener Härte reagiert, als auch für jene Staaten, welche die US-Konzepte nachahmen. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Theorien, die Angst vor der kleinen Freiheit produzieren und Einschränkung als Prävention zelebrieren, wird neu gestellt. Bei Hosa ist der Baseball nicht nur ein Instrument der Zerstörung, sondern auch ein Symbol der Verfehlung und illustriert die forcierte Negation einer Rehabilitation. Das Prinzip ist nicht Verbesserung von Bedingungen, sondern Ausschluss des Unerwünschten. Hosa stellt zu einfache Lösungskonzepte in Frage, konserviert die beängstigenden Aspekte der Unordnung und stellt sie in sauberer Ästhetik in der Galerie aus. Urin, oft so notwendig wie destruktiv an einer öffentlichen Wand angebracht, wird in einer Flasche unschädlich gemacht, mit ihm der üble Geruch der Großstadt. Wenn die Bedrohung wegfällt, kommen die Gedanken.

Melanie Gadringer